Datenschutz geht uns alle an¶

Habt Ihr bemerkt, dass Eure täglichen Online-Aktivitäten den Überwachungskapitalismus stärken? Technologieriesen fahren Profite ein, indem sie Eure Daten ausbeuten. Sie fördern Massenüberwachung und Desinformation, polarisieren Debatten und beeinflussen Wahlen. Diese Bedrohung greift tief in unsere Gesellschaft ein. Sie befördert Zensur, Gleichschaltung und geplante Obsoleszenz.
Das Zeitalter der Datenkraken¶
Big Tech umfasst große und dominante Technologieunternehmen. Dazu zählen Google (Alphabet), Apple, Facebook (Meta), Amazon und Microsoft – die sogenannten GAFAM. Aber auch OpenAI, Tencent, Baidu, Alibaba, Tesla, Uber, und so fort. Ihre Geschäftsmodelle beruhen oft auf der Ausbeutung von NutzerInnen. Sie bieten scheinbar kostenlose Dienste an, um Profit aus privaten Daten zu schlagen. Big Tech steht in der Kritik. Vorwürfe reichen von Tracking-Praktiken, Massenüberwachung und Datenschutzverletzungen über Steuerhinterziehung und Kartellrechtsverstöße bis hin zu Missachtung ethischer Standards und Arbeitsrechtmissbrauch.
Trotzdem steigt der Marktwert dieser Datenkraken weiter und erreichte 2023 über 10 Billionen Dollar. Damit stehen diese Großkonzerne in Konkurrenz zum kombinierten Bruttoinlandsprodukt von Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich. Aaron Swartz warnte bereits 2008 im ‘Guerilla Open Access Manifesto’ vor der Monopolisierung von Informationen durch private Unternehmen: Information ist Macht. Aber wie so oft gibt es diejenigen, die alle Macht für sich behalten wollen. Sein Kampf setzt sich fort.
Was kümmern mich meine Daten?¶
"Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten". Dieser Gedanke ist falsch. Privatsphäre bedeutet nicht, Fehlverhalten zu verbergen. Die Vereinten Nationen und internationales Recht erkennen Datenschutz als grundlegendes Menschenrechte an. Privatsphäre ermöglicht freie Meinungsäußerung und schützt vor Überwachung, Zensur, Manipulation und Identitätsdiebstahl. Sie nimmt verschiedene Formen an, wie das Wahlgeheimnis, das Anwaltsgeheimnis oder die ärztliche Schweigepflicht.
Privatsphäre, Anonymität oder Sicherheit?
Privatsphäre bedeutet, Gedanken, Handlungen oder Kommunikation zu verbergen, während die Identität offenliegt. Anonymität hingegen bedeutet, die Identität zu verbergen, während Gedanken, Handlungen oder Kommunikation offenliegen. Sicherheit befasst sich mit dem Schutz von Privatsphäre und Anonymität.
Mehr Sicherheit bedeutet oft mehr Privatsphäre und Anonymität, aber auch weniger Bequemlichkeit. Das richtige Gleichgewicht hängt von Eurer persönlichen Risikobewertung ab. Diese Webseite strebt ein moderates Maß an Privatsphäre und Datenschutz an. Für Geheimdienstaktivitäten oder kriminelle Machenschaften ist sie allerdings ungeeignet.
In den Fußstapfen von Upton Sinclairs 1917 erschienenem Roman "Religion und Profit"
(Freie Übersetzung) "Nicht nur meine eigene Post wurde geöffnet, sondern auch die aller meiner Verwandten und Freunde, die an so weit voneinander entfernten Orten wie Kalifornien und Florida wohnten. Ich erinnere mich an das freundliche Lächeln eines Regierungsbeamten, bei dem ich mich über diese Angelegenheit beschwerte: "Wenn Sie nichts zu verbergen haben, haben Sie auch nichts zu befürchten." Meine Antwort war, dass ich durch das Studium vieler Arbeitsrechtsfälle die Methoden des Provokateurs kennen gelernt habe. Er ist durchaus bereit, echte Beweise zu sammeln, wenn er sie finden kann; aber wenn nicht, hat er sich mit den Angelegenheiten seines Opfers vertraut gemacht und kann Beweise vorlegen, die überzeugend sind, wenn sie von der Boulevardpresse ausgewertet werden.
Massenüberwachung und Desinformation – alles Humbug?¶
Viele Regierungen schränken aus Angst vor Protesten, Terrorismus oder Pandemien die Bürgerrechte ein. Sogennante "Notstandsmaßnahmen" halten an und verletzen die Privatsphäre. Regierungen und Unternehmen sammeln Daten, um zu überwachen, zu polarisieren und zu zensieren. Massenüberwachung und Desinformationskampagnen untergraben so die Demokratie und fördern staatliche Gewalt.
Hier erfahrt Ihr mehr über Massenüberwachung und Desinformation
| Bedrohung für die Demokratie | Beschreibung |
|---|---|
| Globale Überwachungsprogramme | Nach dem US-Krieg gegen den Terror enthüllten mehrere Informanten die Existenz weltweiter Massenüberwachungsprogramme. Mit teils freiwilliger Unterstützung großer Unternehmen begannen Regierungen, Daten ihre BürgerInnen zu sammeln, zu speichern und zu teilen: Online-Aktivitäten, Telefonanrufe, Textnachrichten, Standortdaten und mehr. |
| PRISM | Das NSA-Überwachungsprogramm PRISM wurde 2013 von The Guardian und The Washington Post enthüllt. Laut The Verge dient es zur Erfassung persönlicher Nutzerdaten durch Technologieunternehmen und andere Organisationen. ![]() |
| XKeyscore | Das Xkeyscore-Programm der NSA wurde 2013 von The Guardian enthüllt. Laut The Intercept handelt es sich um ein Massenüberwachungssystem, das mit Internet-Daten aus Glasfaserkabeln gespeist wird. Edward Snowden sagte dazu: "Ich, an meinem Schreibtisch sitzend, konnte jeden abhören, von Ihnen oder Ihrem Buchhalter bis hin zum Bundesrichter oder sogar dem Präsidenten, soweit ich nur über eine persönliche E-Mail verfügte". ![]() |
| Boundless Informant | Boundless Informant ist ein umfangreiches Datenanalysetool der NSA. Im Jahr 2013 veröffentlichte The Guardian folgende Karte, auf der Länder von grün (geringste Überwachung) über gelb und orange bis rot (höchste Überwachung) dargestellt sind. The Atlantic Wire schätzte, dass die NSA allein im März 2013 rund zehn Petabyte an Daten abgerufen und gespeichert hat. Solche Zahlen sind kaum zu fassen. Zum Einordnung: das entspricht in etwa dem gesamten Fernsehprogramm der letzten zehn Jahre. ![]() |
| Cambridge Analytica | Die Enthüllungen über die Rolle von Cambridge Analytica im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 um im britischen Referendum zur EU-Mitgliedschaft zeigen, wie der Missbrauch von Nutzerdaten und voreingenommene Algorithmen demokratische Prozesse beeinflussen und politische Resonanzräume verstärken. ![]() |
| Die Pandemie im Blick | Viele Länder haben Bürger anhand ihres Telefonstandorts verfolgt, um COVID-19 einzudämmen. Die Daten stammen aus Apps oder werden von Telekommunikationsanbietern und Techn-Unternehmen wie Google und Apple bereitgestellt. Hinter dem scheinbar edlen Ziel verbirgt sich jedoch Technologie, die digitale Verfolgung, physische Überwachung und Zensur ermöglicht. Tatsächlich hat es nicht lange gedauert, bis die ersten Datenschutzlücken entdeckt wurden. |
| KI-Desinformationskampagnen | Generative KI-Tools tragen dazu bei, falsche Inhalte während Wahlen zu verbreiten. Bei den US-Präsidentschaftswahlen 2024 setzte Russland KI-generierte Deepfakes und gefälschte Nachrichten ein, um WählerInnen zu beeinflussen. Das Center for Geopolitical Expertise, das mit dem russischen GRU in Verbindung steht, erstellte manipulierte Videos über demokratische Kandidaten. Diese Videos wurden über hunderte von Webseiten verbreitet. Am 1. Januar 2025 verhängte das US-Finanzministerium wegen dieser Aktionen Sanktionen gegen die Gruppe. ![]() |




